Döbeln damals | Industriegeschichte | Textilindustrie
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Die Industriegeschichte der Stadt Döbeln

Textilindustrie

     Im Mittelalter verdankte unser Döbeln seine hohe Bedeutung dem Handwerk, das in hoher Blüte stand. Besonders war es die Tuchmacherei, die viele Häuser beschäftigte und Jahrhundertelang die Hauptnahrung der Stadt bildete. Die Bedeutung der Döbelner Tuchmacherei war so groß, daß die Stadt sogar ihr eigenes Längenmaß hatte, die Döbelnsche Elle. Berühmt war auch die Döbelner Hutindustrie. Beide Nahrungszweige sind hier längst erloschen. In den Jahren 18041806 sind in Döbeln nach Angabe eines Jahrbuches aus den 1830er Jahren noch 10.400 Hüte hergestellt worden. Wie umfangreich die Döbelner Tuchmacherei war, erkennt man daraus, daß es vor 200 Jahren hier über 200 selbständige Tuchmachermeister gab. Vor 100 Jahren wurden noch 100 Tuchmacher und außerdem noch 40 Leineweber gezählt. Ganz bedeutend war auch die Fabrikation von Leinwand, Barchent, Flanell, Kattun, schafwollenen Strümpfen, baumwollenen Strümpfen und Handschuhen. Im Zusammenhang mit der Tuchmacherei bestanden hier zwei Walkmühlen und drei Schafwollspinnfabriken. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildeten sich mehrere größere Betriebe zu Tuchfabriken aus, die Zahl der selbständigen Meister war aber 1840 auf 25, 1870 auf 12 zurückgegangen. Im Jahre 1870 beschäftigten die 12 Tuchmachermeister und die drei Tuchfabriken von F. W, Barthel (Meyers Hof), August Schulze (jetzt Augustins Grundstück, Zwingerstraße) und Gebr. Glausnitzer noch 68 Tuchmacher, 7 Tuchscherer und eine Anzahl Mädchen und Frauen, zusammen etwa 180 - 190 Personen. Durch den nordamerikanischen Krieg verlor die Tuchbranche ihr Absatzgebiet; die Kleinfabrikation ging dadurch ganz ein, die Fabriken suchten und fanden neue Absatzgebiete. Barthel fabrizierte helle Tuche nach der Levante, Schulze und Glausnitzer waren für Sachsen und Deutschland beschäftigt. Doch ging das Geschäft immer mehr zurück, Barthels Fabrik wurde im Jahre 1877/78 geschlossen, Schulzes Fabrik in den 1880er Jahren, Die letzte Tuchfabrik, Gebr, Glausnitzer, stellte den Betrieb vor Weihnachten 1902 ein, nachdem im Jahre 1900 die Stadtgemeinde das Fabrikgrundstück wegen der geplanten Muldenberichtigung für 110.000 Mark ziemlich teuer angekauft hatte. Die letzten Tuchfabrikarbeiter, etwa 70, fanden in anderen Fabriken und Gewerben Arbeit. Mit dem Eingehen der Tuchfabrikation verschwanden aus dem Straßenbilde, nebenbei bemerkt, auch die Wägelchen mit dem Urinfäßchen, welche den Urin, ein unentbehrliches und damals vielbegehrtes Beizmittel, aus verschiedenen Häusern zusammenholten.
     Aus der Zeit der einst so bedeutenden Döbelner Tuchmacherei besteht heute noch die Tuchmacherinnung mit einem beträchtlichen Vermögen, es gehören ihr aber nur noch zwei Mitglieder an, die ihr Gewerbe längst nicht mehr betreiben. Als einziger ehemaliger Meister lebt hier nur Herr Privatier und Gerichtsschöppe Julius Clemen.

H. Zscherpel
erschienen in der Festschrift zum Heimatfest Döbeln vom 20. - 2. Juni 1914