Döbeln damals | Industriegeschichte | Handwerk und Handel
altes Stadtwappen von Döbeln
Startseite Was ist neu ? Holländerturm zur offiziellen Internetseite der Stadt Döbeln
Literatur Ansichtskarten Straßenverzeichnis Stadtpläne
Filmmaterial Gasthäuser & Hotels Bildarchiv Notgeld, Inflationsgeld und Lagergeld
Souvenirs Orden, Medaillen und Abzeichen Gemälde, Stiche und Drucke Linkempfehlungen
Pferdebahn Riesenstiefel Geschichte und  Geschichten Neueingänge
Theater Persönlichkeiten Denkmale Industriegeschichte
häufig gestellte Fragen Zugriffsstatistiken Suchliste Tauschbörse
Inhaltsübersicht Eintrag Newsletter Impressum, Kontakt & Datenschutzhinweis Gästebuch
Banken
Chemische Industrie
Handwerk und Handel
Holzwarenindustrie
Lederwarenindustrie
Metallwarenindustrie
Textilwarenindustrie
Sonstige Industrie

 

Die Industriegeschichte der Stadt Döbeln

Handwerk und Handel

     Neben der Industrie nimmt das Kleingewerbe in Döbeln immer noch einen breiten Raum ein. Das Handwerk ist durch 15 Innungen, die meist auch benachbarte Städte und Ortschaften umfassen, vertreten, und zwar gibt es freie Innungen der Bäcker, Fleischer, Baugewerken, Tischler, Tuchmacher und Zwangsinnungen der Barbiere und Friseure, Glaser, Klempner, Maler und Lackierer, Müller, Sattler und Tapezierer, Schlosser und Schmiede, Stellmacher, Schneider, Schuhmacher. Die sämtlichen Innungen sind im Innungsausschuß (Vorsitzender: Schuhmachermeister Ehregott Lantzsch) vertreten, auch der Gewerbeverein (Vorsitzender: Tapezierermeister Stadtverordneter Karl Möller) umfaßt eine größere Zahl Handel und Gewerbetreibender. Der Sächsische SchuhmacherInnungsVerband hat seit 25 Jahren seinen Sitz in Döbeln (Vorsitzender: Ferd. Reichel).
     Das Hauptkleingewerbe ist die Schuhmacherei. Dieses Gewerbe betrieben vor 50 Jahren hier 200 Meister mit 100 Gehilfen, und die Döbelner MarktSchuhmacher waren weithin im Lande bekannt
. Das Döbelner Adreßbuch für 1914/15 nennt noch 67 Schuhmachermeister. Viele davon haben zugleich Schuhhandlungen und unterhalten größere oder kleinere Geschäftsläden. Eine Anzahl älterer Meister besucht aber auch heute noch die Märkte der weiteren Umgegend. Die SchuhmacherInnung sorgt durch gute Lehrlingsausbildung in Werkstatt und Schule (Fachklasse bei der städt. Fortbildungsschule) stets für tüchtigen Nachwuchs.
     Das Schneidergewerbe ist durch 41 selbständige Schneider und Schneidergeschäfte vertreten
. Dieser Erwerbszweig hat mehr und mehr kaufmännische Ausdehnung und Gestalt angenommen, und es bestehen am Platze fünf große Kleidermagazine.
     Im Herzen der Stadt findet man überhaupt eine im Verhältnis zur Bevölkerung große Zahl bedeutender Geschäfte mit großstädtischer Aufmachung, ganz besonders in der Moden, Manufaktur und Kurzwarenbranche, auch in Haushaltungsgegenständen und Eisenwaren
. Mehrere Tischler und Tapezierer haben größere Möbelmagazine. Mit Carl Schmidts Buchhandlung (Inh.: Karl Krebs), gegründet 1857, und mit der Döbelner Buchhandlung Ernst Willy Uhlmann, beide sehr stattliche Geschäfte am Obermarkt, ist Kunsthandlung, Verlag und Leihbibliothek verbunden, Kunst und Handelsgärtner gibt es hier 15, dazu je 1 in Hermsdorf und Großbauchlitz. Sie betreiben vorwiegend Gemüsegärtnerei oder Erdbeerzüchterei und verkaufen ihre Erzeugnisse nicht nur hier, sondern versenden sie auch nach den Großstädten. Auch die Kunstgärtner sind nur zum Teil auf den Umsatz am Orte angewiesen, einige pflegen besondere Zweige der Gärtnerei, z. B. betreibt Paul Mähler Engros-geschäfte mit Palmen und Blattpflanzen, Max Degenkolb und Franz Pötzsch versenden große Mengen Schnittgrünes. Degenkolb hat auch Kulturen von Pelargonien, Maiblumen, Spargel, Pötzsch große Zucht von Alpenveilchen, Riesche bevorzugt Azalien und Kamelien, Guido Beck hat Gemüsefelder, Oskar Jesch in Großbauchlitz einen ausgedehnten Baumschulenbetrieb.
     Wie mannigfach das Gewerbe Döbelns ist, zeigt folgender Überblick:
Nach dem Adreßbuch von 1914 gibt es in Döbeln:

46 Bäckereien,
2 Bandagisten,
21 Barbiere und Friseure,
7 Baumeister (von denen 2 nicht selbständig sind, sondern Architekturbüros haben),
2 Stein und  5 Holzbildhauier,
5 Böttcher (vor etwa 50 Jahren gab es hier 16 Böttcher, die meist für die Jahrmärkte arbeiteten),
1 Brunnenbauer,
6 Buchbinder,
1 Büchsenmacher,
2 Bürstenmacher und Pinselhandlungen,
4 Dachdeckergeschäfte,
7 Damenfriseusen,
45 Damenschneiderinnen,
2 Damenschneider,
5 Färbereien,
2 Feilenhauer,
1 Filzfabrikant,
24 Fleischer,
2 Gelbgießer,
6 Glaser,
12 Gold und Silberwarenhändler,
2 selbständige Graveure,
2 Gürtler,
2 Handelsfleischer,
3 Handschuhmacher,
1 Hausschlächter,
11 Installateure,
2 Instrumentenmacher,
9 Klempner,
3 Korbmacher,
7 Kürschner und Mützenmacher,
4 Landschaftsgärtner,
18 Maler und Lackierer,
8 Mechaniker,
2 Messerschmiede,
14 Modistinnen und Putzgeschäfte,
4 Ofensetzer,
2 Optiker,
1 Roßschlächter,
7 Photographen,
1 Portraitmaler,
2 Porzellanmaler,
17 Sattler und Tapezierer,
2 Schaftstepper,
7 Scharwerksmauer,
3 Scharwerkszimmerer,
3 Schleifer,
9 Schlosser,
8 Schmiede,
1 Schornsteinfeger,
1 Siebmacher,
3 Steinsetzer,
4 Stellmacher,
2 Stuckgeschäfte,
2 Stuhl und Sofabauer,
2 Tiefbauunternehmer,
20 Tischler,
8 Uhrmacher,
2 Weißgerber,
4 Zementwarenfabrikanten,
1 Gummieranstalt,
1 Bierapparatbauanstalt,
1 Holzschuh und Pantoffelfabrik,
4 Maschinenstickereien,
1 Fensterputzer,
9 Fuhrwerksbesitzer,
1 Automobilverleihanstalt,
4 Spediteure,
2 Pferdehändler,
2 Dienstmannsinstitute,
4 Dienstvermittler,
5 Lohndiener,
1 Plättanstalt und 13 selbständige Plätterinnen,
1 Räucherapparat-Vorfertiger,
2 Steinbruchbetriebe,
40 Wäschemangelinhaber,
12 Rohtabakagenten,
65 Versicherungsagenten,
2 Annoncen-Expeditionen,
3 Auskunftsbüros,
2 chemische Laboratorien,
1 Fleischmehlfabrikant,
2 Kraftfahrzeuglehrer,
6 Zahntechniker,
1 Dampfwalzenbetrieb,
3 Sandgrubenbetriebe
   usw.

     Seine Leistungsfähigkeit zeigte das Döbelner Gewerbe auf 7 Ausstellungen, deren letzte und größte 1893 stattfand. Gefördert wurde die Leistungsschau des des Handwerks wiederum durch das 1904 errichtete städtische Elektrizitätswerk, welches dem Kleingewerbe Kraft zum Maschinenbetriebe zuführt und den Geschäftsleuten eine effektvolle Beleuchtung ermöglicht.
     In geschäftlicher Beziehung herrscht hier reges Leben. Die großen Döbelner Geschäfte haben ihre Kundschaft in der Stadt und Landbevölkerung, aber auch von Bewohnern der Nachbarstädte wird hier wegen der großen Auswahl gern gekauft. Es gibt hier:

6 Damenkonfektionsgeschäfte,
8 Herren- und Knabengarderobengeschäfte,
20 Schnitt und Wollwarenhandlungen,
9 Buchhandlungen,
6 Drechslerwaren und Schirmgeschäfte,
7 Fahrradhandlungen,
12 Galanterie- und Kurzwarenhandlungen,
11 Haus und Küchengerätehandlungen,
78 Kolonial-, Materialwaren und Delikatessengeschäfte,
6 Drogenhandlungen,
2 Apotheken,
12 Gold und Silberwarenhandlungen,
12 ZigarrenSpezialgeschäfte
    usw.

     Auch stattliche, neuzeitlich eingerichtete Gastwirtschaften, Säle und Cafes hat Döbeln aufzuweisen. Es bestehen hier 5Säle, 59 Schankwirtschaften, darunter 14 Hotels und Gastwirtschaften, sowie 11 Konditoreien und Cafés. Die beiden ältesten Gasthäuser sind Hotel zur "Goldenen Sonne" und Hotel "Stadt Altenburg", welche schon 400 - 500 Jahre bestehen.

H. Zscherpel
erschienen in der Festschrift zum Heimatfest Döbeln vom 20. - 2. Juni 1914