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Geschichte und Geschichten - Beiträge zur Döbelner Geschichte

Döbelner Weinbau einst und jetzt
Artikel entnommen aus:  “Die Brücke” - Monatszeitschrift für Kultur und Heimat - Döbeln, Dezember 1957

Weinanbaugebiet am Berg bei Miera um 1956

    In Heft 10 der Monatsschrift "Kultur und Heimat" vom Oktober 1956  Kreis Döbeln  hatte bereits die Schriftleitung darauf hingewiesen, daß hier, wie früher, auch jetzt wieder Weinbau getrieben werde. Da dies nur in kleinem Kreise bekannt ist, komme ich gern dem Wunsche der Schriftleitung nach, über das Einst und Jetzt des hiesigen Weinbaues nachstehend nähere Angaben zu machen.
     Der im Süden heimische Weinbau ist zuerst von den Römern ins sonnige Rheintal gebracht und von dort Jahrhunderte später durch französische und deutsche Mönche in den deutschen Gauen ostwärts des Rheins verbreitet worden. Bereits vor etwa 1000 Jahren sind in der damaligen Mark Meißen bei Burgwarten und Klöstern Weinberge angelegt worden.
     Beim Fehlen von Bodenfunden, wie solche am Rhein aus der Römerzeit auf uns gekommen sind, müssen wir uns mit schriftlichen Überlieferungen begnügen, um zu erforschen, wo in der Mark Meißen zuerst der Weinbau gepflegt worden ist. Die Beweiskräftigkeit solcher schriftlicher Aufzeichnungen gewinnt, wenn sie die Form öffentlicher Urkunden besitzen. Die ältesten auf uns gekommenen Urkunden über den sächsischthüringischen Weinbau, die vom Erzkapellan und Notar Willigis des Deutschen Kaisers Otto des Zweiten – vertreten durch Bischof und Kanzler Hildiboldus  am 20. Juli 981 in der kaiserlichen Pfalz Waldhausen in Nordthüringen errichtet worden sind und das kaiserliche Siegel tragen, haben Landschenkungen des Kaisers an das im Unstruttal gelegene Kloster Memleben zum Gegenstände, wo sein Vater, Kaiser Otto der Erste, verstorben war. Band 6 des von Otto Schumann  dem Vater des bekannten Komponisten  im Jahre 1819 herausgegebenen Lexikons von Sachsen sieht diese Urkunde ebenfalls als die ältesten Zeugen für den sächsischthüringischen Weinbau an. Anscheinend hat ihm  dessen vielbändiges Werk eine einmalige unerschöpfliche Fundgrube für jeden Ort der bis 1815 von der Werra bis zur Oder reichenden sächsischthüringischen Länder bildet  der Wortlaut dieser Urkunde nicht vorgelegen. Denn er verlegt die Anfänge des hiesigen Weinbaues in die Gegend von Memleben. Hiergegen spricht einmal die Lage Memlebens im breiten Riede, des dort flachen Unstruttales, zum anderen aber die ausdrückliche Erwähnung der Namen der dem Kloster zu Lehen gegebenen Liegenschaften, die damals bereits Weinberge besessen haben. Die eine dieser Urkunden,  eine Fotokopie ihrer um 1150 hergestellten Abschrift aus dem Copialbuche des Klosters Hersfeld befindet sich im Ratsarchiv der Stadt Döbeln  bestimmt, daß

„eastella quedam et loca in Partibus Selavonie Doblin et Hwoznie nuncupata in pago Dalminze seu Zlomekia vocato iuxte fluviam Multha dietum ... cum burgwartiis et omnibus utensilibus illuc rite pertinentibus in proprium tradidimus . . . in terris, cultis et ineultis areis, vineis, silvis“

„daß gewisse Kastelle und Orte im Slavenlande, nämlich Doblin (Döbeln) und Hwoznie – (meiner Meinung nach Nossen)  im Gau Dalminzien oder  Lommatzsch am Flusse Mulde gelegen . . . mit den Burgwarten und allem Zubehör wir ins Eigentum  des Klosters Memleben  übertragen, mit allen bebauten und nicht bebauten Feldern, Flächen, Weinbergen, Wäldern“.

    
Die beiden Orte Döbeln und Nossen dienten offenbar als Stützpunkte für die Erreichung der kaiserlichen Burg zu Meißen, die 929  also reichlich 50 Jahre früher nach der Schlacht an der Jahna, Burgberg bei Zschaitz, gegründet worden war. Die älteste Urkunde über den Meißner Weinbau findet sich – (Schumann Seite 286) – erst im Jahre 1161, also fast 200 Jahre später.
     Wo im Döbelner Gebiete die ersten Weinberge gelegen haben, ist unbekannt. Die Struktur unseres Heimatbodens  sonnige Südhänge, in dem sich zu einem Kessel erweiternden Tale der Freiberger Mulde und der dort auftretende, zum Teil von Lößlehm überwehte leicht zerbröckelnde Tonschiefer (Phillit) sprechen dafür, daß sich die Weinpflanzungen am nördlichen Muldenhange, vielleicht auch an der Südseite des Schloßberges, hingezogen haben. Die letzten Reste eines Weinberges habe ich Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts oberhalb der Staupitzstraße an der sogenannten Klosterdrehe gesehen. Zwischen Großbauchlitz und Technitz liegen heute noch im Walde verstreut Weinbergsmauern der Winzerei des früheren Rittergutes Keuern. Im Dorfe Marbach stehen heute noch die Mauern der Weinbergsterrassen des früheren Klosters Altzella, und in Kloster Buch, in Roßwein sowie einer ganzen Anzahl anderer Orte der weiteren Umgebung Döbelns, tragen heute noch sonnige Südhänge die Flurbezeichnung Weinberg. Erwähnt sei noch, daß in Roßwein heute noch die Weinterrassen an der "Wunderburg" sichtbar sind.
     Um 1800 hat es in den damaligen sächsischthüringischen Ländern etwa 1200 Hektar Weinland gegeben. Der Weinbau Sachsens hat sich bis Wittenberg und Grünberg hingezogen. Er hat besonders im Meißner Gebiete und in der Elblößnitz volkswirtschaftlich große Bedeutung gehabt. Sächsische Weine sind in großem Umfänge bis nach Hamburg ausgeführt worden.  Durch die modernen Verkehrsmittel ist die Konkurrenz der westdeutschen und der ausländischen Weine gestiegen. Seit den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist die Reblaus von Frankreich her nach Deutschland und auch ins mitteldeutsche Weinbaugebiet vorgedrungen. Die gesetzlichen Maßnahmen haben die völlige. Zerstörung der Weinberge nicht verhindern können. Kurz vor der Jahrhundertwende war der sächsische Weinbau, soweit er sich im Meißner Gebiet und in der Elblößnitz noch hatte halten können, fast völlig erloschen. Die mit Reben besetzten Flächen wurden ausgebrannt und mit Erdbeeren sowie Pfirsichen bepflanzt. Erhalten geblieben sind im großen Umfange sowohl in den Städten wie auf dem Lande bis zu einer Höhenlage von etwa 400 m die an den Häusern angebrachten Weinspaliere, die auch in Döbeln noch zu sehen sind.
     Die Voraussetzungen für einen neuen Weinbau sind erst durch die Züchtung von "Propfreben" geschaffen worden. Die aus Amerika stammende Reblaus, die in mehrfacher Form vorkommt und viele Entwicklungsstadien oberhalb und unterhalb der Erde am Weinstocke durchläuft, ist für die EuropäerRebe gefährlich, weil sie insbesondere die Wurzeln dieser Reben zerstört und dadurch in kurzer Zeit zur Vernichtung des Weinstockes führt. Die Erfahrung hat gelehrt, daß mehrere Arten von AmerikanerReben gegen die Reblaus unempfindlich oder doch erheblich widerstandsfähiger sind. Diese Reben, die auch bei uns gedeihen, geben aber keinen guten Wein, den sogenannten Fuchswein. Der deutsche, also auch der sächsische Weinbau wird sich gegenüber dem Wettbewerbe der anderen Weinbau treibenden Länder nur durchsetzen und behaupten können, wenn er Qualitätsweine liefert, die trotz ihrer Güte preislich den Wettbewerb mit Auslandsweinen aufnehmen können. Die Pfropfrebe besteht aus zwei Teilen: einer AmerikanerUnterlagsrebe, die in den Boden gepflanzt wird und durch ihre Wurzeln den Rebstock ernährt, und aus einer daraufgesetzten EuropäerRebe, welche die Trauben liefert. Die Pflanzung muß so erfolgen, daß die Pfropfstelle über dem Erdboden liegt, damit nicht die EuropäerRebe ebenfalls Wurzeln treibt, durch die Reblaus gefährdet sind. Die Anzucht dieser Reben geschieht in besonderen Rebschulen und dauert etwa ein Jahr. Erst wenn beide Teile der Pfropfrebe fest miteinander verwachsen sind, ist die Pfropfrebe zum Auspflanzen fertig. Der Gegensatz zur Pfropfrebe ist die sogenannte Blindrebe. Das ist ein Stück ausgereiftes Rebholz, das mit dem größten Teil in den Erdboden gesteckt wird, dessen oberster Blattansatzknoten aber über das Erdreich herausragt. An den in der Erde befindlichen Knoten bilden sich alsbald Wurzeln, an dem über der Erde befindlichen Knoten Blätter. Das war früher neben dem Absenken die gebräuchlichste Form der Vermehrung der Reben. Im mitteldeutschen Weinbaugebiet ist die Pflanzung von Blindreben durch Reichsgesetz seit langem verboten. In diesem Weinbaugebiet, zu dem seit dem Januar 1952 auch die Gemarkung der Stadt Döbeln gehört (Verordnung über die Änderung der Sächsischen Weinbaubezirke vom 29. Dezember 1951, Gesetz und Verordnungsblatt Land Sachsen 1952, Seite 2), dürfen nur Pfropfreben auf reblaussicherer Unterlage gepflanzt werden.
     Um die Jahrhundertwende sind sowohl in der Elblößnitz wie auch im Meißner Gebiete die ersten Neupflanzungen von Weinbergen mit Pfropfreben vorgenommen worden. 1912 wurde in Meißen ein Weinbauverein als rechtsfähiger Verein gegründet, der eigene Weinberge, eine Rebschule und eine Weinkelterei unterhielt. Er hatte sich die Erzeugung von sortenreinen Weinen zum Ziele gesetzt. Darüber hinaus war es sein Bestreben, abgesehen von dem in Meißen beliebten leichten Goldriesling, nur Rebsorten anzubauen, die hervorragende Qualitätsweine lieferten und in ihren Vegetationsbedingungen den örtlichen Verhältnissen entsprachen.

    
Die klimatischen Verhältnisse von Döbeln, das 50 bis 75 m höher liegt als Meißen, und dessen mittlere Jahrestemperatur nur 1/2 Grad geringer ist als die des Elbtales, erheischten einmal den Anbau frostempfindlicher. Sorten, zum Beispiel Portugieser, zu unterlassen, die im Winter 1928/29, bei den Rebbeständen  des Weinbauvereins Meißen einen Ausfall von 4000 Stöcken brachten, andererseits von der Anpflanzung spät reifender Sorten, zum Beispiel Spätburgunder, abzusehen. Für den Anbau im Döbelner Gebiete kamen daher nur frostunempfindliche, früh und mittelfrüh reifende Sorten in Frage. Der Winter 1955/56, der wiederum Temperaturen bis 30 Grad unter Null brachte, hat die Richtigkeit vorstehender Ausführungen bewiesen. Denn während in Sachsen in diesem Winter etwa 45000 Pfropfreben total, also auch mit der Unterlagsrebe erfroren sind, haben wir in unseren Bergen weder Totalverluste noch größere Teilverluste gehabt. Zwar sind die Edelreben, wie fast in ganz Deutschland, nahezu bis zur Pfropfstelle erfroren, so daß es 1956 in Döbeln, wie fast überall, keine Weinernte gab. Die Reben haben sich aber im Sommer 1956 wieder kräftig entwickelt, und im Herbst 1956 war ausreichendes einjähriges Fruchtholz wieder gewachsen, an dem allein im nächsten Frühling sich Trauben entwickeln konnten.
    
Für den Weinbau sind außer den Winterfrösten besonders die nach dem Austrieb und zur Zeit der Blüte auftretenden Maifröste, die im Volksmunde als Weinmörder oder Eisheilige bezeichnet werden, besonders gefährlich. Sie pflegen vor allem stark in bestimmten Bodensenkungen oder über Flüssen aufzutreten. Deshalb mußte davon Abstand genommen werden, in Döbeln die Rebpflanzungen herab bis zur Mulde anzulegen.
     Während Meißen im allgemeinen Granitverwitterungsboden hat, der ziemlich trocken ist und weitgehend den Anbau der Spitzensorte Ruländer hindert, ist die Bodenfeuchtigkeit bei uns infolge des andersartigen Untergrundes  Tonschiefer – größer. Bei Neuanlegung von Weinbergen im Döbelner Gebiete kam deshalb vor allern die Sorte Ruländer in Betracht. Außerdem sind bis heute noch die Spitzensorten Traminer, weißer und roter Frühburgunder sowie in geringem Maße die ertragreiche Sorte MüllerThurgau (nach ihrem Züchter benannt, eine Kreuzung zwischen Riesling und Silvaner) und Goldriesling angepflanzt worden.
     Im Sommer 1946 wurde in Kreisen Döbelner Bürger der Wunsch geäußert, zu prüfen, ob es nicht möglich wäre, wie früher in Meißen, einen Weinbauverein zu gründen und auch hier wieder Weinberge anzulegen. Der Zeitpunkt erschien zwar als denkbar ungünstig. Die Gründung neuer Vereine wurde nicht gewünscht. In der damaligen, infolge des Krieges darniederliegenden Wirtschaft mußten Interessenten geworben, die nicht unerheblichen  Mittel beschafft, Umschau nach passendem Gelände gehalten, vor allem aber geprüft werden, ob ein rationeller Weinbau auch Aussicht auf Ertrag verspreche. Der letzteren Frage wurde durch eine eingehende gutachtliche Äußerung über die hiesigen klimatischen Verhältnisse näher getreten. Das Gutachten fiel bejahend aus. Daraufhin wurde am 30. Januar 1947 von sieben Döbelner Bürgern die Gründung eines Weinbauvereins Döbeln und Umgebung beschlossen, die von der damaligen sowjetischen Besatzungsbehörde alsbald genehmigt und im Vereinsregister des Amtsgerichts Döbeln eingetragen wurde. Dank des Entgegenkommens des Rates der Stadt wurde bereits im Frühjahr auf einem damals der Erzeugung von Heilkräutern dienenden Gelände oberhalb der Klostergärten eine Versuchspflanzung von 200 Ruländer Pfropfreben ausgeführt, die von Süd nach Nord in Reihen mit 1,25 m Stock und Reihenabstand gepflanzt und deren Tragreben fächerförmig an 1,5 rn hohen Spalieren gezogen wurden; während in Meißen Pflanzungen in 0,90 m Abstand, Aufzucht der Rebe in 0,50 m hohen Stämmchen mit je einer oder zwei Tragruten bei einem Winkel von 90 Grad, und Spaliere von unter 1 m üblich waren, haben wir   je nach Wachstum des einzelnen Rebstockes  3 oder 5 oder 7 Tragreben sich entwickeln lassen, die alle von der Pfropfstelle ausgingen. Der Erfolg hat die Richtigkeit unserer Maßnahmen bestätigt. Obwohl regelmäßig erst im 3. Jahre nach der Pflanzung mit einem Ertrage zu rechnen ist, zeigte die Versuchspflanzung bereits im 2. Jahre die ersten Trauben und gab im 3. Jahre vollen Ertrag, wobei nicht unerwähnt bleiben kann, daß die damaligen Sommer der Entwicklung der Reben sehr günstig gewesen sind.
     Bereits im Winter 1948 hatte sich die Stadtverwaltung Döbeln bereiterklärt, dem Weinbauvereine von dem der Stadt gehörigen Waldhange des früheren Rittergutes Keuern, der an die Flur, Miera grenzt, ein Stück in der Größe von reichlich einem Hektar käuflich zu überlassen, damit dort ein Weinberg angelegt werden konnte. Der gerichtliche Kaufvertrag hierüber ist am 13. Mai 1948 abgeschlossen worden. Die Übernahme des Landes durch den Weinbauverein konnte indessen nicht  wie vereinbart  sofort, sondern erst nach und nach vom Jahre 1951 ab erfolgen, weil etwa 30 Personen eigenmächtig dort Gärten und Kartoffelland sich eingerichtet hatten und es ablehnten, das Land zu räumen. Der Rat der Stadt hat dem Weinbauverein dafür das angrenzende Flurstück von einem Hektar auf 30 Jahre verpachtet, und im Herbst 1949 ist nach Anstellung eines Winzers die Hälfte des Pachtlandes, die zum Weinbau geeignet war und aus dichtem Dornengestrüpp bestand, 60 bis 70 cm tief gehackt und gegraben (rigolt) und mit mehr als 2000 Ruländer Pfropfreben auf der allgemein als besonders gut anerkannten Unterlage Kober 5 BB bepflanzt worden. Um ein zu starkes Abschwemmen des Erdreichs zu verhüten, ist das abschüssige Gelände in drei Terrassen aufgeteilt worden. Die zwei oberen Terrassen haben sich sehr gut entwickelt, während die untere durch starken Wildbiß (wilde Kaninchen), weniger guten Boden und Beschattung gelitten hat. Nach Aufgabe der Kräuterkulturen wurde im "Klostergarten", den der Weinbauverein in einer Größe von etwa einhalb Hektar von der Stadt Döbeln in Pacht für die Dauer von 30 Jahren genommen hatte, um sich seine vorstehend erwähnte Versuchspflanzung dort zu erhalten, im Frühjahr 1951 mit der weiteren Aufrebung von Ruländer begonnen, die in den folgenden Jahren durch Anpflanzung von Traminer und Ruländer fortgesetzt wurde. Die Aufrebung ist dort  bis auf etwa 1000 Reben  nahezu vollendet. Sie war weniger schwierig, weil das Land vorher schon mit Heilkräutern bebaut war. Im Klostergarten sind die Reben teils einzeln an Rebpfählen, teils, an 1,5 m hohen Spalieren gezogen. Erst 1952 konnte der Weinbauverein sein Eigentumsland am Mieraer Berg nach und nach in Bewirtschaftung nehmen und mit weißem Burgunder (Auxerois), frühem Rotburgunder und MüllerThurgau bepflanzen. Auf dem Pachtlande des Mieraer Berges stehen außerdem einige Hundert GoldrieslingReben, von denen die letzten 1956 gepflanzt worden sind. Zum Schutze des Rebbestandes am Mieraer Berg der nördlich von Feld, sonst aber von Wald umgeben ist, machte sich 1952 der Bau eines 400m langen, 1,5m hohen Zaunes notwendig. Wenn möglich, soll noch in diesem Jahre der Rest des Eigentumlandes am Mieraer Berg in einer Länge von 300 m mit einem Zaune umgeben werden, für den das Material bereits vorhanden ist. Die Aufrebung des "Mieraer Berges" ist noch nicht abgeschlossen. Es fehlen dort noch 3000 bis 4000 Reben, deren Beschaffung bei der sowohl im Osten wie im Westen bestehenden großen Knappheit an Pfropfreben nicht ganz leicht sein wird. Die vorstehenden Ausführungen zeigen bereits, daß  wie von Anfang an berechnet  erhebliche Mittel aufgewendet werden mußten, um das Eigentumsland zu erwerben, die Pfropfreben zu beschaffen, den Boden zur Anpflanzung vorzubereiten und die laufenden Löhne zu decken. Das alljährliche "Hüten" der Berge vor der Zeit der Lese, um den Verlust von Trauben durch Vogelfraß und Diebstahl nach Möglichkeit einzuschränken, das vor Sonnenaufgang beginnt und bis nach Sonnenuntergang währt, erfordert regelmäßig viele Hunderte von DM.
     Bisher sind etwa, außer den jährlichen Mitgliedsbeiträgen, die zur Deckung der laufenden Unkosten dienen sollen, 30000, DM zur Aufrebung der beiden Berge aufgewendet worden. Diese Aufwendungen sind hinter den veranschlagten Kosten zurückgeblieben, was nur bei sparsamster Wirtschaftsführung möglich war. Sie sind trotz der damaligen Ungunst der Verhältnisse ausschließlich, aus Kreisen der Mitglieder, ohne jede staatliche oder sonstige öffentliche Beihilfe, aufgebracht worden, und zwar dadurch, daß jedes Mitglied dem Weinbauverein ein zinsfreies, unkündbares Darlehn gewährt, das 100 DM beträgt und zurückgezahlt wird, wenn die Berge nach Beendigung der Aufrebung vollen Ertrag geben. Außer diesem Darlehn erhebt der Verein nur einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 12 DM. Der Zweck des Weinbauvereins ist nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet. Deshalb war von Anfang an die Form einer Erwerbs und Wirtschaftsgenossenschaft ausgeschlossen. Etwaige Überschüsse sind nur zur Belebung und Förderung des heimischen Weinbaues zu verwenden und dürfen nicht den Mitgliedern zugute kommen. Der Weinbauverein dient rein idealen Zwecken, wie im Paragraph 19 der Satzung ausdrücklich festgelegt ist.
     Bei Auflösung des Vereins geht dessen Vermögen mit der Maßgabe an die Stadt Döbeln über, daß diese das gesamte Vermögen zur Förderung des heimischen Weinbaues zu verwenden hat. Die ständige Fühlungnahme mit der Stadt Döbeln wird dadurch aufrecht erhalten, daß der Rat der Stadt Döbeln ein Mitglied, nach Paragraph 14 der Satzung in den fünfgliedrigen Vorstand des des Weinbauvereins entsendet. Die Rechtsform eines im Vereinsregister eingetragenen rechtsfähigen. Vereins ist gewählt, um zu gewährleisten,  daß die einzelnen Mitglieder für die Schulden des Vereins nicht haften. Diese Rechtsform hat sich auch bewährt. Die Mitgliederzahl hat bereits mehr als 200 betragen. Sie schwankt infolge von Todesfällen und Wegzugs von hier. Jeder, der Interesse an der Belebung des hiesigen Weinbaues hat, ist als Mitglied willkommen. Eine körperliche Betätigung wird nicht gefordert. Doch ist es erwünscht, daß sich Mitglieder freiwillig alljährlich an der Weinlese beteiligen.
     Der aus den geernteten Trauben gekelterte Wein wird in den Mitgliederversammlungen umsonst verkostet und bevorzugt an die Mitglieder abgegeben.
     In diesem Herbst sind außer Ruländer und Burgundererstmals Traminertrauben geerntet worden. Die vorstehenden Zeilen sollen dazu dienen, bei der Bevölkerung des Döbelner Kreises das Interesse für den heimischen Weinbau zu wecken und durch Beitritt zum Weinbauverein Döbeln und Umgebung e. V., Döbeln, Stalinstraße 16, 1, dessen Ziele zu fördern.
 

Dr. Zgr. (Dr Zieger ?)